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Kaas - TAFKAAZ :D

26. Mai 2009 von SpokenWord

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Lange hat die geneigte Hörerschaft Rapdeutschlands auf „The Album Formaly Known As Amok Zahltag :D“ gewartet und gebannt jene Entwicklungen verfolgt, die einerseits zu einer weiteren Verzögerung führten, aber gleichzeitig auch eine ganz besondere Atmosphäre um Kaas und „TAFKAAZ :D“ schufen, die mit Worten schwer zu fassen aber in der Luft spürbar ist. Ausgerechnet der Rapper, der manchem vielleicht durch seine stur gute Laune und Freude an Liebe und Frieden auf die Nerven ging, sollte nun als stellvertrend als Sündenbock herhalten für ein Drama, dass ihn wahrscheinlich viel persönlicher trifft als jene, die ihn dafür verteufeln zur falschen Zeit genau das richtige gesagt zu haben. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu sagen, dass „Amok Zahltag“ der (bewusst) fehlinterpretierteste Song der rapdeutschen Indexgeschichte ist und so ärgerlich es sein mag, dass „TAFKAAZ :D“ nun in einer anderen Version erschienen ist, so tut es dem Album an sich vielleicht gut, da so der Schatten, der über „Amok Zahltag :D“ schwebte, auf diese Art ausgeleuchtet werden kann. Schließlich will Kaas nicht als tragische Figur in einem medialen Schachspiel verstanden werden, sondern als Musiker und darum soll es hier nun auch fortan ausschließlich gehen: die Musik.

Süße Klänge über süße Liebe sind es, die das Album einleiten und einen zurückversetzen an den Strand von Orsons Island. „Ahh Liebe ist so schön, meinst du nicht auch?“ fragt Kaas; ein Intro, dass den Erwartungen gerecht wird und einstimmt, auf 50 Minuten buntes Treiben und schallendes Lachen.Wie wenig andere Rapper schafft es Kaas beim Hörer bildhafte Vorstellungen zu erzeugen, wenn er seine phantastischen Geschichten erzählt. Mal reist er auf einer Odysse im Kampf von Gute gegen Böse durch arktische Landschaften voll sprechender Pinguine, mal reitet er auf dem Rücken eines Löwen durch Wüstenlandschaften, um in Berlin schließlich den Rapthron zu erklimmen (Straßenrap ist sexuell erregt dank Savas), mal erzählt er von einem wundersamen Märchenwald, voll Drachen und Rittern, die den Helden Kaas zu Abenteuern einladen (Märchenwald).

Musikalisch bewegt sich Kaas dabei oft an der Grenze zum Irrsinn, ohne diese allerdings zu lange zu überschreiten, so dass die positive Grundstimmung, die Kaas Gedankenwelt ausmacht, ungetrübt bleibt. Wie unbekümmert Kaas sich über den Hip Hop Tellerrand hinauszulehnen wagt, zeigt beispielsweise das Gesangsstück „Sam Cooke und so“, in welchem er in feinster 50er Jahre Manier seine Liebste besingt – nicht ohne selbstironisch anzumerken: „Das ist fast schon peinlich.“

Relativiert wird diese überspitzte Glückseeligkeit allerdings durch Kaas ernsthafte Seite, die ihn als nachdenklichen Jungen Mann zeigt, der an dem Leid der Welt, aber auch am eigenen Leben zu nagen hat. Dabei kehrt er mit einer erstaunlichen Offenheit sein Inneres nach außen, etwa wenn er einen Track über eine abgebrochene Schwangerschaft (Über sie/an Dich feat. Vasee) dazu nutzt, dass Wort direkt an die Mutter und Exfreundin zu richten. Oder etwa Nichtstzutz 09, eine Verarbeitung seines Einzelgängertums in einer Welt, die scheinbar vollkommen anders tickt. Aber wie schon auf den fröhlichen Stücken des Albums schafft Kaas es Kraft seiner sprachlichen Empathie auch hier, den Hörer teilhaben und mitfühlen zu lassen. Als scharfsinniger Beobachter der Gesellschaft beweist sich Kaas auf Amok Nachtrag, jenem Stück, welches als Ersatz für die berüchtigte Amokläuferthematik nun ein Resümee der so passioniert diskutierten Ereignisse darstellt.

So halten sich kompromisslose Positivität und melancholische Verletzlichkeit die Waage und finden ihren Konsens in einer Art Glauben, die Kaas selbst mal Spiritualität nannte. Denn ob es nun um mehr oder weniger ernsthafte Themen geht, nie vergisst Kaas zu betonen, dass Liebe und vor allem Nächstenliebe jene einzigen Werte sind, die alle Probleme lösen können – und das mit einer Konsequenz, die an Missionarismus grenzt. Nur eben mit Humor und Verstand.

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Fiva - Rotwild

23. Februar 2009 von SpokenWord

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Fiva ist ein Reh. Und weil Fiva ein Reh ist, nennt sie ihr Album Rotwild. Sie fühle sich so, sagt sie, zumindest im Vergleich zu der zwar dünn besiedelten, aber um so bunter lackierten Riege der Hip Hop Frauen Deutschlands und Europas. Und tatsächlich wirkt die Münchnerin im ersten Augenblick etwas scheu, wenn man sie sieht, fast wie ein Reh. Doch würde es Fiva als Künstlerin nicht gerecht sie aufgrund ihres schlichten Auftretens nicht für voll zu nehmen. Denn wer weiß, dass Fiva alias Nina Sonnenberg in der Regel eher auf Poetry Slams anzutreffen ist, als auf Battles, eher Rap-Workshops gibt statt Tanzkurse, versteht, dass diese scheinbare Scheu eher eine Art erwachsene Unaufgeregtheit ist.

Denn erwachsen ist Rotwild irgendwo schon, aber nicht spießig. Auf Songs wie zum Beispiel Goldfisch wird deutlich, dass Fiva, ein gutes Stück weiter auf dem Weg zu sich selbst ist, als ihre Hintern wackelnden Kolleginnen. Da geht es nämlich darum, dass man weder Goldketten noch Goldzähne braucht, wenn man selbst ein Goldfisch ist. Fiva ist ein Goldfisch. Das ist natürlich alles übertragend gemeint, aber eben so schön ausgedrückt, wie Fiva es auf fast jedem Song schafft durch ihre Sprache banale Themen interessant zu machen. Etwa wenn sie von Kleinkunst singt. Denn so sehr diese Country Roads vergewaltigenden Coverbands nerven, wenn man ihnen auf Volksfesten oder Firmenfeiern begegnet, so sehr rührt einen die Geschichte von Melody Mandy, Hackbrett Schorsch und Piano Joe; die Aufgegebenen, die auf den kleinsten Bühnen der Welt unverhofft etwas Glück finden. Einer der Höhepunkte des Albums, genau wie Will wollen, ein Liebeslied, das tatsächlich so sympathisch und liebenswürdig ist, dass ich es bitte auf mich beziehen möchte. Überhaupt hört man gerne zu, wenn Fiva aus dem Leben erzählt, weil es so nachvollziehbar ist, weil ihr eben jegliche Selbstbeweihräucherung abgeht und sie sich trotz aller Abgeklärtheit einen naiven Blick auf die Welt und die Musik bewahrt hat (Immer noch). Fiva ist ein alter Hase – aber ein naiver. Der Linzner Produzent Flip zeichnet sich für die musikalische Untermalung des Albums verantwortlich, die wie Fiva selbst ist, ein bisschen: unaufdringlich, aber nicht beliebig, entspannt, aber nicht langweilig. Soulige Bläser, Pianoklänge und Streicher schmeicheln sich um Fivas Strophen und ergänzen sie mit dem richtigen Vocalsample an der richtigen Stelle. Amtliche Sache, genau wie Flips Rapbeitrag, dem einzigen Feature auf Rotwild (Ab und zu).Wir sagen immer immer, aber meinen ab und zu. heißt es da im Refrain - eine von vielen kleinen Weißheiten, die Rotwild zu etwas besonderem machen.

Ob die Massen auf Rotwild anspringen werden, kann ich schwer einschätzen, denn so erfrischend unaufdringlich ich es finde finde, könnte gerade dieser Punkt das Album Manchem unspektakulär erscheinen lassen, denn irgendwelche Hip Hop typischen Banger oder Clubsongs sucht man hier vergeblich. So bleibt, wenn die handwerkliche Qualität auch außer Frage steht, alles übrige Geschmackssache und wirklich empfehlen kann ich das Album vor allem jenen, die den Kopf auch jenseits von Gespitte und Gepose für etwas Poesie öffnen können. Alle übrigen sind wohl mit Kitty Kat besser beraten; die rappt immerhin über ihre Titten.

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Tua - Grau

29. Januar 2009 von SpokenWord

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In der nie enden wollenden Diskussion um die Qualität deutschen Hip Hops werden immer wieder neue Künstler heiß gehandelt als Erretter der Szene, bzw. Reinkarnatoren Inhaltlichen Anspruchs, wenn möglich in zeitgemäßem Gewandt, sprich technisch hochwertigen Rapfertigkeiten. Ein Name, der dabei immer wieder – und zuletzt immer lauter – fiel ist der des jungen nicht mehr ganz Newcomers Tua aus Reutlingen, der bekanntlich ein vorübergehendes musikalisches zu hause im hohen Norden bei Deluxe Records gefunden hat, wo nun auch sein neues Soloalbum „Grau“ am 13.02.09 erscheint. Da Tua selbst sich von jeglichen aufgebürdeten Messiaserwartungen wohl lossagen würde, will auch ich „Grau“ fortan nicht hinsichtlich solch unmenschlicher Maßstäbe bewerten, um der Fairness die Ehre zu geben.

Denn als stilistische oder inhaltliche Messlatte eignet sich Tuas neues Werk beileibe nicht; zu eigen ist der Sound, zu düster die Botschaft, zu bitter die Pille. Bereits bei den Orsons als grimmiges Gegengewicht zum Cartoonig-fröhlichem Schweinerap fungierend, stand nach den Eps „Fast“ und „Inzwischen“ zu vermuten, dass Tuas wahrem musikalischem Naturell weniger die heitere Ironie, als die schmerzhafte Realitätsnähe entspricht. Und genau hier setzt „Grau“ an. Während der deutsche Durchschnitts Rapper seine Alben meist mit einem über-selbstbewussten Representer zu beginnen pflegt, gewährt uns Tua in seinem Eröffnungstrack einen ersten Einblick in ein leben nahe am sozialen und psychischen Abgrund, in dem es ständig zu regnen scheint und macht eindrucksvoll deutlich welche Richtung das Album einschlagen wird: es gibt nichts gutes zu sagen, also scheiß drauf. Eine alptraumhafte Darstellung eines Daseins an der Grenze zur Selbstaufgabe wenn nicht gar Selbstzerstörung zieht sich als Leitmotiv durch alle Songs und findet in „Bilder“ einen ersten Höhepunkt. Tua konstruiert hierbei clever ein Gerüst fragmentarischer Einblicke in die Leben gescheiterter Existenzen, die im Laufe des Tracks aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten beleuchtet werden, bis die einzelnen Episoden schließlich in der Person des Erzählers, des Künstlers zusammenlaufen: „Sag mir was du willst, doch das hier ist die Wahrheit, der Maler wird zum Bild, das hier bin ich“ einer der raren Gänsehautaugenblicke, die Rapmusik so selten gelingen. Klanglich prägen lange elektronische Passagen die Songs, die dem Hip Hop gewöhnten Ohr zwar fremd vorkommen mögen, doch ohne es je dabei zu überfordern. Viel mehr untermalt Tuas eigene Handschrift bei der Produktion in ihrer technischen Kälte die Tristesse der Texte und rundet das Albums ab, so dass ein ein Eindruck von zeitloser Eigenständigkeit entsteht. Ein für Tuas Art zu denken beispielhafter Track ist „MDMA“ - vordergründig ein schwereloses Liebeslied, offenbart sich zwischen den Zeilen ein beklemmender Beigeschmack von emotionaler Abhängigkeit und Unsicherheit. Tua schafft es sehr persönliche, aber auch moralische Inhalte zu vermitteln ohne dabei in eine Curse’sche Arroganz zu verfallen oder etwa die selbstverliebte Koketterie eines Clueso und trifft gerade deshalb den Hörer um so schonungsloser. Die Stimmung des Album wird bestimmt durch eine radikal kompromisslose Verzweiflung an der Welt; auf künstlich herbeigeredete Silberstreifen wird verzichtet, einzig „In den Himmel“ ist ein versöhnliches Eingeständnis, dass der Blick auf die Nutzlosigkeit der Existenz eben sehr stark vom Auge des Betrachters abhängt. Der Gastbeitrag von Kool Savas fügt sich erstaunlich gut in den Tenor des Albums, wenngleich er der lyrischen Finesse Tuas nachsteht. Dieser zeigt nämlich nahe zu durchgehend einen sprachlichen Scharfsinn, der auf den Punkt aus Worten Bilder und aus Bildern Stimmungen schafft. Seine literarische Stärke beweist Tua besonders in „Nachtschattengewächs“, einer Momentaufnahme der nächtlichen Großstadthektik im Schein nervös flackernden Neonlichts. Laut, grell, erdrückend. Sollte sich das Gerücht bewahrheiten, dass Tua gegenwärtig an einem Roman schreibt, erwartet uns sicher kein typisch poppiger Erstlingsroman eines Jungautoren, sondern im Bestfall die 2009-Version eines Franz Kafka.

Tatsächlich wäre jeder der 15 Tracks in meinen Augen hier einer nähere Erwähnung wert, doch will ich nicht noch mehr vom Hörerlebnis vorweg nehmen und begnüge mich mit dem Rat dieses Album nicht leichtfertig zu unterschätzen. Es ist wahrscheinlich im ersten Moment schwer zugänglich und daher nicht zum nebenbei oder im Auto Hören geeignet, sondern fordert dem Hörer seine gesamte Aufmerksamkeit ab, um seine volle Wirkung zu entfalten. Sicher muss man sich auf den eigenwilligen Stil einlassen können oder vielleicht von Natur aus zur Melancholie neigen, doch sind diese Voraussetzungen gegeben, so wird man sich unter Umständen in Tuas grauer Welt verlieren, um sich in irgendeinem Nebensatz, irgendeinem Bild unverhofft wiederzufinden. Und das ist doch schon viel Wert – auch wenn es Deutschrap nicht erretten kann.

Bewertung

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Spot#2 Hip Hop? Mach mal ‘nen Punkt…

8. Januar 2009 von SpokenWord

Es ist richtig, dass für die meisten Menschen Musik einen nicht unerheblichen Teil ihes Lebens bzw. der Definition ihrer selbst ausmacht und es ist auch richtig, dass Menschen sich gern mit Gleichgesinnten zusammenrotten. Musik und Gemeinschaft sind also zwei scheinbar grundlegende menschliche Bedürfnisse, daher verwundert es kaum, dass es dabei hin und wieder zu Überschneidungen kommt – beispielsweise im Fall Hip Hop. Doch ist die Vorstellung von Hip Hop als Kultur solidarischer Verbundenheit in meinen Augen von pubatärer Romantik. Eine schlichte Musikrichtung zur Lebensart hochzustilisieren, mag in der goldenen Ära des Punks oder auch den Anfangstagen des Hip Hops Sinn gemacht haben, doch wirkt es übertragen auf den hiesigen Durchschnitts-Raphörer in mitteldeutschen Kleinstädetn- mit Verlaub - ein wenig albern. Was hat dieser nämlich damit zuschaffen, dass im Amerika der 80er und 90er Jahre ein Teil der afro-amerikanischen Gemeinschaft New Yorks so wütend über ihre Armut war, dass sie ihrem Leid innovativ Ausdruck verleihen wollte? Richtig, nichts. Ich feier gute Beats, Reime, Ideen und Flows und fühl mich von den vermittelten Inhalten im besten Falle unterhalten oder gar persönlich betroffen. Ich bin absoluter Rapfan, doch von einer Art Kultur … spühre ich nichts. Traurig aber wahr. Und hey: ich bin mir sicher da kein Einzelfall zu sein, erforscht mal eure Gefühle: wahrscheinlich geht es vielen genauso, auch wenn sie bislang der Überzeugung waren „Hip Hop zu sein“ - wie albern das schon klingt. Die von der Echthalter-Fraktion proklamierten Werte des politischen Engagements durch Angehörigkeit der Hip Hop Kultur zu begründen, halte ich für etwa so dreist wie die die zehn Gebote als moralisches Credo anzuwenden: Eigenschaften, die eigentlich selbstverständlich sein dürften (Empathie, Sozialität, Integrität, politisches Bewusstsein) werden als Errungenschaften der Hip Hop Kultur hochgehalten, doch sind im Grunde natürliche Phänomene des aufgeklärten Menschen. Einfacher gesagt: Ich kann auch ohne die Geißeln einer Kulturvorstellung engagiert sein, genauso wie ich Nächstenliebe praktizieren kann, ohne den zehn Geboten zu folgen. Zumal diese idealistischen Vorstellung ja in den seltensten Fällen der Realität entsprechen; ich meine: schaut euch doch mal die sogenannten Vertreter der Hip Hop Kultur in Deutschland an. Gerade die unaufhaltsame Internetbewegung degeneriert den Raphörer zum Forumsspast, bei dem ich eher peinlich berührt bin, als mich in ihm wiederzuerkennen. Es ist kein Zufall, dass sich in meinem engeren Freundeskreis kaum welche dieser Hip Hop Nazis befinden, denn ich persönlich umgebe mich lieber mit coolen Leuten anderer Szeneangehörigkeit, als Idioten mit meinem Stallgeruch.

Wie schlimm es tatsächlich um die viel beschworene Hip Hop Kultur bestellt ist, verdeutlichen die abenteuerlichen Versuche einer Defintion, auf die ich bei der Recherche zu diesem Artlikel gestoßen bin: „Hip Hop ist ein Gefühl in mir!“ …”Hip Hop ist die Art wie ich mich kleide, wie ich rede und wie ich denke.“ … „Hip Hop ist das Gebet der Straße.“ Aha. Noch etwas transzendentaler und Tupac müsste tatsächlich der Beiname „von Nazaret“ angehängt werden. Bei einer solch schwammigen Begrifflichkeit fällt es nicht schwer sich in irgendeiner Art zugehörig zu fühlen, und sei es nur um der eigenen Identitätslosigkeit Inhalt zu geben. Natürlich, es gibt noch Breakdance und Graffiti und DJing als tragende Säulen des Hip Hop Schwamms, doch mal ganz ehrlich: wie viele von euch breaken, cutten oder sprühen wirklich? Auf ernst zunehmder Basis meine ich. Ein verschwindend geringer Prozentsatz, also definiert bitte euer Hip-Hoptum über etwas ehrlicheres. Kultur bedingt Einsatz und Aktivität – nicht bloß den Konsum bestimmter Lieder und rumgammeln in Internetforen.

Versteht mich nicht falsch, es ist mir durchaus bewusst, dass Hip Hop auch ausserhalb des www stattfindet, etwa auf Festivals, Konzerten und was weiß ich was noch für Workshops in Jugendzentren und tatsächlich hatte ich beim HHK 07 ein gewisses Zusammengehörigkeitsgefühl, bedingt durch gemeinsame Erlebnisse in einer aussergewöhnlichen Situation, ABER: ist es auf Rockkonzerten & Festivals nicht auch so? Und das ohne diese klebrige Kulturvorstellung? Hip Hop ist ein Massenphänomen unter Jugendlichen und damit als Bewegung ad absurdum geführt. Als in den 90er Jahren noch tatsächlich eine geschlossene Front von Aussenseitern sich gegen den Mainstream gestellt hat und Nischenmusik produzierte, hätte ich mich mit dem Kulturbegriff wahrscheinlich noch anfreunden können, doch ist das heute komplett verloren gegangen, in einer Szene die so vielschichtig ist, dass sie Menschen derart verschiedenen Schlags abdeckt, dass sie sich in ihrem sonstigen Leben wahrscheinlich eher feindselig gegenüberstehen. Wo bleibt die kultische Gemeinsamkeit, wenn Bushido Fan A Pal One Fan B das Handy zieht.

Aber so negativ dieses Beispiel sein mag, öffnet sicht in der Akzeptanz von Rap als bloßem Stilmittel eine Vielzahl von Türen zur musikalischen und lyrischen Entwicklung, wie sie im eng gescnhürten Korsett der glücklicherweise überholten Authentizitätsdiskussion nicht möglich gewesen wäre: Abseitige Künstler wie JAW oder Hollywood Hank schaffen es allein durch ihre technische Finesse Rap auf eine neue Stufe zu bringen, gehen aber inhaltlich in die entgegengesetzte Richtung der Hip Hop Doktrin und wären allein deshalb in einer so konservativen Gemeinschaft unmöglich. Das gleiche gillt für z.B. Kollegah, der das größte Tabu des Kulturbewussten Rapfans bricht und aus der Sicht eines fiktiven Charakters rappt oder etwa Deichkind, die es mit Hip Hop’ esker Elektromusik frühzeitig geschafft haben sich von der Szene zu emanzipieren und gleichzeitig die Grenzen ausweiteten. Ihr seht also, dass dieser Abgesang auf die Kultur keine Grabrede ist, sondern der Versuch die fingierte Bedeutungsschwere zu relativieren und einen realistischen Blick die Musikrichtung zu werfen, die so profilneurotisch ist wie keine andere. Welche Gattung sonst ist ihrer selbst so unsicher, dass sie sich ständig besprechen und neu definieren muss, sich im Kreis dreht zu keinem Punkt kommt? Daher sollten wir Hip Hop die Musikrichtung sein lassen, die es ist und weiterhin die Knüppel aus unseren elitären Ärschen ziehen, auf dass der Hip Hop typische Identitätskomplex mit ausgeschieden wird. In diesem Sinne, meine Freunde,

Dance

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Favorite & Hollywood Hank - Schläge für Hip Hop

23. Dezember 2008 von SpokenWord

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“Jetzt sind wir da und schlagen ein wie eine Bombe, wie tollwütige Wölfe…” säuselt der hochgepitchte Sleipnir-Rechtsrock als Auftakt des im Vorfeld bereits kontrovers diskutierten Kollabo-Mixtapes fast schon zu friedlich dahin und schürt die Aufregung um die beiden Hype-Rapper Favorite und Hollywood Hank noch mehr – wohl nicht ganz ohne Kalkül.

Dass das Spiel mit nonkonformistischen Themen wie etwa Rechtsradikalismus einen Teil der Faszination um die Beiden ausmacht kann man entweder von vorne herein verteufeln und die CD, so wie diese Review, geflissentlich ignorieren, oder aber man macht den Kopf auf und versucht das Ganze mit Humor zu nehmen, auf das eine faire Einschätzung der Qualität dieses Mixtapes möglich wird. Es fiel mir nicht schwer mich für Zweiteres zu entscheiden. Denn Bereits im im Titeltrack „Schläge für Hip Hop“ feuern die Beiden wieder ihre Punchlinesalven derart hoch frequentiert und verschachtelt, dass ich mich als Deutschrap-Nerd direkt zu hause fühle …und aufatme: denn Hank hat nach einigen eschreckend schwachen Freetracks wieder zu alter Form zurückgefunden und ergänzt perfekt Faves wahnwitzige Battlelyrics. „Scheiße bin ich hacke/ dreißig Liter Absinth/ greif zur Heckenschere und schneid dir ne Grimasse/“ Dieser wortwitzige Punchline Style zieht sich – wie könnte es auch anders sein – als roter Faden durch das ganze Tape und weiß den geneigten Nachwuchspsycho zu jedem Zeitpunkt zu unterhalten.

Ein Höhepunkt dabei ist das JAW Feature auf „Sozialphobie“, der sich mit seiner souveränen Asozialtät perfekt einbringt und die weiterhin gefeatureten 257ers Schlingel in Sachen kranke Scheiße auf die Ränge verweist. Von diesen zeigt sich einzig Shneezin annähernd Konkurrenzfähig und obschon er die Hauptprotagonisten zwar noch nicht ganz einholt, sollte man ihn zukünftig im Auge behalten. Tatsächlich ist der spezielle Humor von Fave und Hank in Verbindung mit komplexer Rap- und Reimtechnik auf so einem Nieveau beispiellos und macht dieses Mixtape zu einer besonderen Perle, trotz der vielleicht im Ganzen etwas kurz geratenen Spieldauer. Denn abgezogen der In- und Outros und eines Skits bleiben tatsächlich grade einmal 35 min Spielzeit, die dazu auch noch mit reichlich Filmsamples ausgefüllt werden. Dieser Kritkpunkt ist aber insofern verschmerzlich, als dass die Parts battleraptechnisch so gehaltvoll sind, dass zumindest ich sie öfter als ein mal hören musste um jedes Wortspiel, jeden Reim und jede witzige Idee mitzukriegen. „Schläge für Hip Hop“ ist sicher keine massenkompatible Platte – einerseits wegen der inhaltlichen Härte, doch auch aufgrund des etwas rohen Klangbilds oder der für das ungeschulte Ohr anstrengenden Rapstile der beiden Hauptakteure, aber in ihrer Nische wird sie voll einschlagen und lange auf Rotation bleiben. Zumindest von mir kann ich das mit Sicherheit sagen.

Wertung

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