Kaas - TAFKAAZ :D
26. Mai 2009 von SpokenWord
Lange hat die geneigte Hörerschaft Rapdeutschlands auf „The Album Formaly Known As Amok Zahltag :D“ gewartet und gebannt jene Entwicklungen verfolgt, die einerseits zu einer weiteren Verzögerung führten, aber gleichzeitig auch eine ganz besondere Atmosphäre um Kaas und „TAFKAAZ :D“ schufen, die mit Worten schwer zu fassen aber in der Luft spürbar ist. Ausgerechnet der Rapper, der manchem vielleicht durch seine stur gute Laune und Freude an Liebe und Frieden auf die Nerven ging, sollte nun als stellvertrend als Sündenbock herhalten für ein Drama, dass ihn wahrscheinlich viel persönlicher trifft als jene, die ihn dafür verteufeln zur falschen Zeit genau das richtige gesagt zu haben. Es ist wahrscheinlich nicht übertrieben zu sagen, dass „Amok Zahltag“ der (bewusst) fehlinterpretierteste Song der rapdeutschen Indexgeschichte ist und so ärgerlich es sein mag, dass „TAFKAAZ :D“ nun in einer anderen Version erschienen ist, so tut es dem Album an sich vielleicht gut, da so der Schatten, der über „Amok Zahltag :D“ schwebte, auf diese Art ausgeleuchtet werden kann. Schließlich will Kaas nicht als tragische Figur in einem medialen Schachspiel verstanden werden, sondern als Musiker und darum soll es hier nun auch fortan ausschließlich gehen: die Musik.
Süße Klänge über süße Liebe sind es, die das Album einleiten und einen zurückversetzen an den Strand von Orsons Island. „Ahh Liebe ist so schön, meinst du nicht auch?“ fragt Kaas; ein Intro, dass den Erwartungen gerecht wird und einstimmt, auf 50 Minuten buntes Treiben und schallendes Lachen.Wie wenig andere Rapper schafft es Kaas beim Hörer bildhafte Vorstellungen zu erzeugen, wenn er seine phantastischen Geschichten erzählt. Mal reist er auf einer Odysse im Kampf von Gute gegen Böse durch arktische Landschaften voll sprechender Pinguine, mal reitet er auf dem Rücken eines Löwen durch Wüstenlandschaften, um in Berlin schließlich den Rapthron zu erklimmen (Straßenrap ist sexuell erregt dank Savas), mal erzählt er von einem wundersamen Märchenwald, voll Drachen und Rittern, die den Helden Kaas zu Abenteuern einladen (Märchenwald).
Musikalisch bewegt sich Kaas dabei oft an der Grenze zum Irrsinn, ohne diese allerdings zu lange zu überschreiten, so dass die positive Grundstimmung, die Kaas Gedankenwelt ausmacht, ungetrübt bleibt. Wie unbekümmert Kaas sich über den Hip Hop Tellerrand hinauszulehnen wagt, zeigt beispielsweise das Gesangsstück „Sam Cooke und so“, in welchem er in feinster 50er Jahre Manier seine Liebste besingt – nicht ohne selbstironisch anzumerken: „Das ist fast schon peinlich.“
Relativiert wird diese überspitzte Glückseeligkeit allerdings durch Kaas ernsthafte Seite, die ihn als nachdenklichen Jungen Mann zeigt, der an dem Leid der Welt, aber auch am eigenen Leben zu nagen hat. Dabei kehrt er mit einer erstaunlichen Offenheit sein Inneres nach außen, etwa wenn er einen Track über eine abgebrochene Schwangerschaft (Über sie/an Dich feat. Vasee) dazu nutzt, dass Wort direkt an die Mutter und Exfreundin zu richten. Oder etwa Nichtstzutz 09, eine Verarbeitung seines Einzelgängertums in einer Welt, die scheinbar vollkommen anders tickt. Aber wie schon auf den fröhlichen Stücken des Albums schafft Kaas es Kraft seiner sprachlichen Empathie auch hier, den Hörer teilhaben und mitfühlen zu lassen. Als scharfsinniger Beobachter der Gesellschaft beweist sich Kaas auf Amok Nachtrag, jenem Stück, welches als Ersatz für die berüchtigte Amokläuferthematik nun ein Resümee der so passioniert diskutierten Ereignisse darstellt.
So halten sich kompromisslose Positivität und melancholische Verletzlichkeit die Waage und finden ihren Konsens in einer Art Glauben, die Kaas selbst mal Spiritualität nannte. Denn ob es nun um mehr oder weniger ernsthafte Themen geht, nie vergisst Kaas zu betonen, dass Liebe und vor allem Nächstenliebe jene einzigen Werte sind, die alle Probleme lösen können – und das mit einer Konsequenz, die an Missionarismus grenzt. Nur eben mit Humor und Verstand.




