Die Kaserne bzw. Reithalle ist sehr modern und hat hervorragende Technik. Hier haben wir die beste Lichtshow bisher. Das ist geil. Im Backstage saß gestern noch Pharell Williams und seine Gang. Ein Hauch von “hey, die saßen auf der gleichen Couch wie wir jetzt” kommt auf. Leider finde ich Pharell whack. Seine Band noch whacker.
Zum Abendessen esse ich ein “Steak”, dass aus 10% Fleisch und 90% Knochen, Knorpel und irgendwas anderem besteht. Es ist trotzdem lecker und ich nage es wie ein Hund. Neanderthaler-Feeling. Muss auch mal sein.
Wir gammeln im Backstage rum bis die Show beginnt – die Crowd ist super an diesem Abend. Richtig super. Unser alter Prakti Rafael ist am Start und schenkt mir ein übergeiles Shirt. Wir werden es bald produzieren lassen. Es zeigt ein abgewandeltes Neopunk Logo mit einem QR-Code. Wen ihr den per Handy scannt, kommt ihr auf meine Website, also genau nach hier. Jana und Belle sind auch am Start und helfen beim Merch die Verkäufe steigern. Ein schöner Abend.
Der Dachstock ist die allerbeste Location der Welt. Unvergleichlich cooler Flavor. Man sieht Punklegenden wie Jedi Ritter neben sich am kleinen Tisch ganz oben speisen. Die alte Katze pest immer noch die Treppen rauf und runter und ich fühle mich pudelwohl.
Am nachmittag widme ich mich das erste Mal seit Jahren MySpace mit voller Konzentration und versuche die Seite mal aufzuräumen. Was für ein Mega-Projekt. To be continued.
Der Laden ist gerammelt voll und das will was heißen. Die Crowd kommt langsam in Fahrt, dann aber richtig. Geile Pogo Szenen. Danach unter die Dusche und 10 Minuten lang das Wasser einstellen.
Auf den Parkplatz hängen lauter Hero Junkies rum. Kein Witz. Unser Bus fickt die Sicherung des Stromkastens, an den wir ihn angeschlossen haben. Wir kommen nicht mehr rein. Nach einer Stunde vor dem Bus stehen in der Kälte bricht Morten über die Bay ein. Irgendwann um 7 Uhr morgens dann geht so langsam alles wieder. Nun wird die Heizung aber auch in Saunastärke aufgedreht und es fehlt nur der Aufguß.
Die Stadt hat angeblich am meisten Sonnentage. Als wir kommen: Ekliger Schneeregen. Auftritt ist gut, das Jazzhaus hat eine sehr breite und überhaupt nicht tiefe Bühne. Das bedingt eine etwas andere Crowdansprache. Über der Bühne hängen direkt Boxen, an denen man sich den Kopf stößt wenn man nicht höllisch aufpasst. Am Ende eiern wir noch auf Umwegen zu einer Bekannten, um dort etwas Merch zu bunkern, dass wir nicht in die Schweiz mitnehmen wollen.
Wir kommen an. Es ist kalt. Ich liege den ganzen Tag direkt vor einem kleinen Heizlüfter. Geistiger Stillstand setzt ein. Der Körper reagiert nur noch auf Reize. Wir schwimmen in der gleichmäßigen Dünung der Tage mit. Die Tage unterscheiden sich nur noch nach:
-wie sieht es im Backstage aus?
-wieviele Duschen gibt es und wie sauber sind sie?
-gibt es sogar eine Waschmaschine (super)?
-was gibt es zu Essen?
-was gibt es für Vodka?
Und natürlich am Wichtigsten:
-wie ist die Crowd?
Auftritt ist… OK. Crowd ist… OK. Am Ende versuchen wir mit einem lokalen Guide noch ein offenes KFC zu ergattern, dann wird es aber doch nur Burger King (wie fast jeden Abend). Party im Bus bis 8. Schlafen.
Wir gehen in die Sauna. Die ist in dem Hotel “Zum Deutschen Hof”. Hier ist man noch vollkommen der Meinung, dass Höflichkeit genauso zu vernachlässigen ist wie ein Innerarchitekt. Vorher in der Stadt sind uns die ganzen Ramschläden aufgefallen, die billigen Plastikschund anbieten und haben uns gefragt, wer sowas wohl kaufen mag. Das Hotel ist anscheinend Großkunde. Wir kaufen für 11,- pro Nase Tickets zum “Wellnessbereich” und dann noch mal für 5,- pro Nase Leihgebühr für ein Handtuch plus 5,- pro Nase für einen Bademantel. Selbigen bekommt man natürlich nicht gebracht, sondern muss ihn sich unten bei der grienenden “Dame” an der Rezeption abholen. Dafür kann man mit seinem Sauna-Chip den Whirlpool für nur 3,- pro 10 minuten Gewhirle nutzen. Auf jeden Fall haben wir die Aufwärmung bitter nötig, da über Nacht die Heizung des Busses kaputtgegangen ist.
Danach geht es ins Wirthaus und zurück laufen wir durch den fallenden Schnee zu unserem mittlerweile wieder stark einheizenden Bus. Unsere beiden Techniker fehlen. Sie sind zu betrunken, um per Taxi zu uns zu kommen, wir müssen sie mit dem Tourbus holen. Herr S. aus Berlin erzählt uns dann folgende Geschichte: “Wir soffen uns durch mehrere Bars und prellten in einjeder die Zeche. Der Betreiber der ersten Bar spürte uns in der dritten Bar auf, noch schnaufend vom Laufen. Wir sagten ihm, dass wir nur kurz jemand abholen würden. Zufrieden zog er von dannen. In der letzten Bar dann stand er wieder schnaufend da und sagte, er habe uns durch 16 Bars verfolgt. Wir waren in Begleitung von 3 trinkfreudigen lesbischen Frauen. Der Rest ist verschwommen.”
Der rappende Teil der Travelparty hört sich bis um 4 durch diverse großartige Musik und dann werden noch im Endstadium Texte verfasst. Jemand kotzt auf die Treppe und dann wird auch geschlafen.
Trier liegt etwas fernab. Sehr fernab. So fernab, dass nur 60 Mitbürger von hier den Ruf vernommen haben und zu unserem Konzert erscheinen. Normalerweise sind es etwa 10 mal so viel. Mögliche Gründe:
1. Ein Zwangsneurotiker hat alle Werbeplakate und Flyer eingesammelt, die Internetwerbungen gehackt und gelöscht und dann mit seinen Ersparnissen selber 60 Karten (für sich und die in ihm wohnenden 59 Persönlichkeiten) gekauft, damit er die Musik ganz alleine hören kann.
2. Keiner in Trier kann lesen. Das ist unglaublich, aber wahr. Und zwar ist es den Leuten so peinlich, dass sie niemand davon erzählen. Die Cover der Tageszeitungen sehen normal aus. Ab Seite 2 beginnt dann für die Bürger das Bilderbuch. Die Trierer konnten den visuellen Code der Flyer nicht dechiffrieren.
3. Fast ganz Trier ist einer Endzeitsekte beigetreten. Der Führer der Sekte spricht am gleichen Tag in der Eissporthalle, auf den unser Konzert fällt. Seine Anhänger strömen zu ihm.
4. Durch eine lokale aufs keltische zurückgehende Tradition, die sehr schwer und nur langschweifig zu erklären wäre, gilt in Trier das Kaufen von Konzertkarten als “unsittlich”.
Wie dem auch sei: Es wird das coolste Konzert der Tour bisher. Wir und das Publikum sind wie “300″. Nur dass auch Frauen mitspielen dürfen und wir nicht ganz 300 sind. Ein Typ aus England ist da, der sehr breit ist und vollkommen zutätowiert. Kennt jemand Rummelsnuff? So in etwa sieht er aus.
Dieser Typ erzählt mir nach dem Konzert, dass ihm sehr gefallen hat, dass er als Buddhist dafür lebt, um Menschen die wahre Bedeutung der (anders als das Hakenkreuz gedrehten) Swastika nahezubringen. Und sie natürlich damit zu tätowieren. Er ist einer der wenigen, die das noch nach japanischer Art mit der Hand und einem Holzklöppel machen. Begeistert bietet er mir ein Umsonst-Tattoo an und ich überlege mir was eine große Swastika auf meiner Brust wohl für interessante Wendungen mit sich bringen würde.
Ach ja, ich habe es ganz vergessen. Youtube macht so einen Wettbewerb. Wenn du ein geheimes Talent hast, kannst du es dort präsentieren. Also. Wenn du deine Fürze anzuünden kannst und man dann in den Flammen ein Gesicht sehen kann ist es ein geheimes Talent. Oder wenn du die Nationalhymne von der hinteren Mongolei rülpsen kannst. Oder so ähnlich. Vielleicht willst du dich auch einfach nur ausziehen.
Wer ist E-Rich? Das ist mein Backup-MC. Er hat nun passend zur Tour sein Album draußen. Ihr solltet es euch dort kaufen. Ein ganz hervorragender Release. Mit Features von vielen bekannten Berliner Rap-Größen. Kauft ihn euch jetzt auf der Tour, bevor alle eure Freunde ihn toll finden. Dann seit ihr der oder die erste und sowas wie ein Trendsetter. Oder sagen wir First Adapter. Yo.